E-Mail an Zuschauerredaktionen
Hallo Leute,
mir ging gestern Abend beim Gassigehen mit Filou in Erlangen einiges zum Thema hertha und Fankultur durch den Kopf. Ich bin stolz wie wir hinter unserem Team stehen und weiterkämpfen. Dagegen sieht man in Stuttgart und Nürnberg Negativbeispiele. Über die wird berichtet - über uns nicht. Soweit nichts Neues, aber ich wollte auch mal ein Zeichen setzen und habe folgende Mail an die Zuschauerredaktionen von Sat1 zum Thema UEFA Cup und vom DSF allgemein geschickt.
Vielleicht wollen einige von Euch sich beteiligen?! Wir sollten wirklich mal wieder ein Lebenszeichen von uns geben...
Betraff: Fankulturdarstellung in ihrem Programm
"Hallo liebe Zuschauerredaktion,
ich habe Ihre Berichterstattung der Bundesliga in der Hinrunde der Saison 2009/2010 und zur UEFA Europa League interessiert verfolgt. Die Tragödie um Robert Enke wurde ja sehr hochstilisiert und daran eine neue Einstellung in der Zukunft festgemacht und vorausgesagt. Einige unschöne Szenen bei den Abstiegskandidaten in Stuttgart und Nürnberg haben dazu geführt, dass Sie und Ihre Kollegen der Medien den gemeinen Fan mal wieder an die Wand stellen. Frei nach dem Motto: Außer Spesen nichts gewesen – niemand habe aus dem „Fall Robert Enke“ gelernt.
Das mag sogar richtig sein und für diese Situationen zutreffen in denen angebliche „Fans“ oder selbsternannte „Ultras“ sich natürlich völlig falsch verhalten haben. Was mich daran allerdings stört die Verallgemeinerung der Fußballfans, wo es zur gleichen Zeit ein unglaubliches und strahlendes Gegenbeispiel in der 1. Bundesliga gibt über das von den durch den DFB kontrollierten Medien natürlich niemand berichtet, da dieser Verein DFB, DFL und auch den Medien durch seine vermeintliche Sonderstellung schon immer ein Dorn im Auge gewesen ist.
Wir wäre es denn wenn Sie als angeblich freie Medien, anstatt die Chaoten aus Stuttgart und Nürnberg einfach nur zu verdammen Ihnen ein so leuchtendes und starkes Gegenbeispiel zu präsentieren, dass diese „Fans“ sich an Ihrer Ehre gepackt fühlen und sich fragen wieso denn Ihre Gegner und in beiden Fällen sogar darüber hinausgehend einmal der Erzfeind der befreundeten Schalker (Nürnberg), bzw. die Freunde der verhassten Karlsruher (Stuttgart) solch „positive Presse“ ernten?
Wenn Sie noch immer nicht wissen wovon ich rede, dann will ich es aufklären: Ich bin seit 1996 Fan und seit 2003 Mitglied von Hertha BSC Berlin und dessen Fans zeigen momentan eine Einstellung, einen positiven Kampfgeist und eine treue zu Ihrem Verein wie sie kein anderer der großen Vereine jemals für sich wird proklamieren können!
Die Fans, die sich noch im April vollkommen berechtigte Hoffnungen auf die erste Deutsche Meisterschaft seit 78 Jahren gemacht haben und mit ihrem Team einen gigantischen Traum gelebt und geträumt haben, der leider durch miserable Schiedsrichterleistungen im wohl entscheidenden Spiel in Wolfsburg – als Hertha ein völlig regulärer Treffer aberkannt und ein irregulärer Treffer des VfL anerkannt wurde – zu Nichte gemacht wurde. Genau die gleichen Fans haben einen nicht für möglich gehaltenen Absturz mit ihrem Verein durchgemacht. 6 Punkte aus 17 Spielen, davon 3 Punkte aus den letzten 16 Partien sind in der Bundesliga ernüchternd und erschreckend zugleich. Trotzdem stehen diese Fans bedingungslos hinter ihrem Verein!
Das Team lebt trotz der desaströsen Bilanz noch. Viele Punkte waren unverdient nicht eingeholt (Mainz, Wolfsburg, Leverkusen oder Gladbach) und trotzdem kämpft dieses Team angetrieben von den Fans! Im Spiel gegen den Tabellenführer Leverkusen spielt der Tabellenletzte klar besser und der Sieg wäre mehr als verdient und was passiert? Das Team bekommt spät (76.) den Ausgleich, war bis dahin klar besser und muss direkt danach zu zehnt weiterspielen. Trotzdem waren sie dem Siegtreffer näher bis in der letzten Minute ein unmöglicher Gegentreffer fällt, wie er in die Situation passt! Dieses Tor kann niemals fallen, aber es fällt. Was passiert dann? Dieses Team, jetzt endgültig abgestiegen und abgeschrieben…es macht in der 92. Minute den Ausgleich und feiert mit seinen Fans die über 90 Minuten die Mannschaft nach vorne getrieben haben. Wo ein Friedrich sich zu den Ultras stellt und mit ihnen zusammen das Spiel verfolgt hatte!
Diese Fans feiern zusammen mit diesen abgeschrieben Team, ob es gut oder schlecht läuft. In der EL hat diese Mannschaft nach drei Siegen in Folge das geschafft, was niemand mehr für möglich hielt: Es ist aus eigener Kraft und vollkommen verdient in die nächste Runde eingezogen – angetrieben sowohl daheim wie auch auswärts von wahren Fans, die immer wieder schwere Anreisen auf sich nehmen. Auch wenn es nur 13.000 gewesen sind gegen Lissabon sind das doch die ECHTEN Fans. Genau darum geht es doch. Sie berichten nur von leeren Rängen und niemand in Berlin würde sich für Hertha interessieren, aber die 13.000 die da sind machen mehr Stimmung und stehen mehr zu ihrem Verein als die 69.000 Menschen in der Allianz Arena über eine ganze Saison gesehen! Natürlich gibt es auch hier Einzelne die sich im Ton vergreifen und die auf einzelne Spieler oder das Team in gewissen Situationen schimpfen, aber ich bin extrem stolz ein HERTHANER zu sein. Ich wohne seit Jahren in Erlangen bei Nürnberg und meine Fahne weht am vierten Stock meines Hauses weiterhin mitten im Club-Gebiet und ich muss mir Vieles gefallen lassen – aber ich bin STOLZ auf das, was meine Freunde die Fans von Hertha BSC Berlin da seit Wochen und Monaten aufzeigen und veranstalten.
DARÜBER sollten Sie in Ihrer scheinbar endlosen Sensationslust mal berichten, statt immer nur Negativbeispiele für den Verfall der Gesellschaft und der Fankultur anzubringen. Wir freuen uns, wenn es denn soweit kommen muss, auf die Duelle mit dem KSC in der nächsten Saison. Auch da gab es eine Geste: Am 34. Spieltag hätte Hertha nur beim KSC gewinnen müssen und wäre sicher für die CL qualifiziert gewesen. Das gelang nicht, der KSC schoss die Berliner 4:0 ab und stieg trotzdem ab, weil Cottbus auch deutlich gewann. Trotzdem feierten die enttäuschten Herthaner mit den Fans des KSC die gesamten 90 Minuten und munterten ihre traurigen Freunde unentwegt auf. Nach dem Spielende als alles klar war und am Ende beide verloren hatten, wurden die Spieler des KSC auch vom Gästeblock gefeiert. Sie trugen ein Transparent und bedankten sich bei ihren Fans, dafür bekamen sie mäßigen Applaus. Danach gingen einige Ultras aus dem Herthablock an der Haupttribüne vorbei zum Fanblock der Karlsruher und hielten dabei ein Plakat hoch mit der Aufschrift „Freundschaft kennt keinen Klassenunterschied!“ und wurden mit erheblich mehr Applaus bedacht als vorher die eigene Mannschaft. DAS ist wahre Freundschaft in einer so kranken Fußballwelt. Wieso berichten Sie nicht einmal darüber und zeigen den Idioten in dieser Gesellschaft auf, wie es richtig und besser geht?
Vielleicht denken Sie ja in der besinnlichen Zeit mal darüber nach und lassen sich inspirieren…ich würde mich darüber freuen und wünsche Ihnen ein erfolgreiches neues Jahr 2010.
Wir Herthaner werden für das Unmögliche kämpfen – auf dem Platz und daneben!!! Und deshalb haben wir noch eine Chance und wir werden sie nutzen!
Viele Grüße aus Erlangen
Frank Hartstock"
Mail an: zuschauerredaktion@dsf.de
Sat1 ging über ein Webformular auf deren Seite.